Wasser für die Hörnlihütte – kostbares Nass

Pünktlich zum Jubiläumsjahr «150 Jahre Erstbesteigung Matterhorn» wurde die in die Jahre gekommene Hörnlihütte umfassend saniert und den heutigen Anforderungen angepasst. Im Zentrum stand dabei mitunter die Wasserversorgung. Für die Planung und Umsetzung des Wasserkonzepts war die Lauber IWISA mit Projektleiter Pascal Zenhäusern zuständig.

Wasserversorgung
Wasserversorgung
 

Seit ihrer Errichtung im Jahr 1865 diente die Hörnlihütte zahlreichen Alpinisten als Ausgangspunkt für die Matterhornbesteigung. Jährlich beherbergte sie rund 4000 Bergbegeisterte. Im Herbst 2013 hat die ehemalige Hörnlihütte ihre Tore für immer geschlossen und der Spatenstich für die ersten Umbauarbeiten erfolgte, welche sich planmässig bis ins Jahr 2015 hinziehen sollten. Neben architektonischen Neuerungen konnten durch den Umbau auch ökologische Vorteile umgesetzt werden, wie etwa die Verbesserung der Energiebilanz und des Abwasserkonzepts. Letzteres sowie die Konzeption von Zu- und Abwasser lag in der Verantwortung von Pascal Zenhäusern, eidg. dipl. Haustechnikplaner und Bereichsleiter Planung Gebäudetechnik bei Lauber IWISA. Der Auftrag an den Planer war, die Hüttenromantik für die Gäste zu bewahren, ohne dass die Umwelt übermässig belastet wird. Dazu habe es zwar Technik am Berg gebraucht; jedoch nur so viel wie nötig, erklärt Zenhäusern. 

Neue Fassung und Zuleitung von Süden

Da die Hörnlihütte von der üblichen Infrastruktur unerschlossen ist, muss mit dem Wasserverbrauch sorgfältig und nachhaltig umgegangen werden. In der Umgebung der Hütte ist keine ganzjährig nutzbare Quelle verfügbar. Vor dem Umbau wurde das Wasser bis anhin mühsam an drei Stellen am Matterhorn gefasst: Direkt am Einstieg zum Matterhorn, nördlich des Einstiegs sowie nördlich am Matterhorngletscher auf 3100 m ü. M. Projektleiter Pascal Zenhäusern erläutert: «Um sowohl die Wassersammlung und –versorgung zu optimieren und grundlegend sicherzustellen wurden vorab verschiedene Varianten geprüft. Aber die Möglichkeit das Wasser im weit entfernten Schwarz- oder Theodulsee zu fassen und anschliessenend hinauf in die Hütte zu pumpen, stellten sich aus verschiedenen Gründen als nicht realisierbar heraus.»       

Heute wird das Wasser nur noch im Süden, unterhalb der Hörnlihütte gefasst. Dort befindet sich auf ca. 3'030 m ü. M. ein Gletscher dessen Schmelzwasser sich in einem natürlichen See ansammelt. Ein Vorteil: Durch die Sonneneinstrahlung dauert die Schmelzphase in diesem Gebiet wesentlich länger an, als etwa im Norden, wo die Wasserzufuhr durch Kälteeinbrüche und Temperaturstürze abrupt stoppen könnte. 

Ein Sammel- und Speichertank auf  3'030 m ü. M.

«Nach genauer Beobachtung des Schmelzwassersees wurde an diesem Standort in einer steinigen Halde schliesslich ein Wassertank mit 180'000 Liter Fassungsvermögen unterirdisch eingesetzt, welcher das Schmelzwasser speichert», erklärt Zenhäusern das durchdachte Konzept. Die Kapazität des Speichers deckt den Wasserbedarf für einen Monat bei Vollbetrieb. Damit könne die Wasserversorgung der Hütte auch nach der Schneeschmelze sichergestellt werden. Im vergangenen Herbst sei der versenkte Tank ein erstes Mal in Betrieb genommen worden. Bei Lauber IWISA zeigte man sich erstaunt, dass der Speicher innerhalb von drei Stunden vollständig befüllt war. 

Freileitung vom Speichertank zur Hörnlihütte.
Freileitung vom Speichertank zur Hörnlihütte. 

 

Aus dem Sammeltank wird das Wasser nun über eine Freileitung zur Hörnlihütte auf 3'260 m ü. M. in acht weitere Tanks gepumpt, die sich im Untergeschoss des Gebäudes befinden und mit einem Fassungsvermögen von insgesamt 40'000 Liter den Wasservorrat für eine Woche garantieren. Bevor das Wasser über die sogenannten Wochentanks in das Verteilersystem der Hörnlihütte eingespiesen wird und dem Betrieb als Warm- oder Kaltwasser primär zum Kochen und für die Körperhygiene zur Verfügung steht, wird es vorab gefiltert und entkeimt. Dennoch darf das so aufbereitete Wasser nicht als Trinkwasser deklariert werden. «Der technische und finanzielle Aufwand wäre immens gewesen, hätte man Trinkwasserqualität anbieten wollen – obschon es sich ja eigentlich um pures Gletscherwasser handelt», fügt er augenzwinkernd an.  

Speichertank unterhalb der Hörnlihütte. Speichertank unterhalb der Hörnlihütte. 
 

Im Dachgeschoss wurde ein Tagestank mit einem Volumen von 2000 Liter eingebaut. Zenhäusern dazu: «Dieser wird über die Druckerhöhungsanlage der Hausinstallation gespiesen. Ein Schwimmventil steuert die Befüllung. Bei Stromausfall kann der Tagestank unter dem Dach aus dem Wochentank mit einer Pumpe, welche durch ein Notstromagregat betrieben werden kann, befüllt werden. Damit wird gewährleistet, dass die Toilettenanlagen sowie die Küche mit Kaltwasser versorgt werden.» 

Neue Fassung und Zuleitung von Süden.
Neue Fassung und Zuleitung von Süden.

 

Grosse Anforderungen an Planer und Monteure

Die gesamte Anlage, sowie in der Hörnlihütte umgesetzt, ist einmalig. «Es musste unter anderem ein Augenmerk auf jene Komponenten der Anlage gerichtet werden, die aufgrund des Standorts grosser Belastungen ausgesetzt sind. Ebenso musste das Konzept eine ganzjährige Wasserzufuhr sicherstellen.» Auch waren die Anforderungen an die Installateure vor Ort gross. «Die Monteure wohnten während der ganzen Woche in der Hörnlihütte und arbeiteten bis zu zwölf Stunden am Tag», erklärt Zenhäusern. Ferner hätten die Wetterbedingungen in dieser Höhe einen grossen Einfluss auf die Bauarbeiten. 

Aussenansicht der neuen Hörnlihütte mit Matterhorn. (Fotomontage)Aussenansicht der neuen Hörnlihütte mit Matterhorn. (Fotomontage)
 

Zeitgemässe Abwasserentsorgung

Vor der Sanierung der Hörnlihütte hat die Abwasserentsorgung die heutigen ökologischen Anforderungen nicht mehr erfüllt und die hygienischen Verhältnisse vor Ort waren ungenügend. Ungereinigt wurden Abwasser und Fäkalien in die Nordflanke geleitet, was zu hohen Geruchsemissionen führte und die Umwelt belastete. Den Gästen standen Plumpsklos ausserhalb der Hütte zur Verfügung. 

Abwasserkonzept
Abwasserkonzept
 

Mit dem neuen Abwasserkonzept wird das Wasser nun nicht nur gereinigt, sondern kann auch mehrfach genutzt werden. Das Abwasser von Duschen, Waschtischen und Küche wird nun gereinigt, und als Grauwasser für die Toilettenspülung wieder verwendet. Ein Separator trennt das fäkalienhaltige Abwasser der Toiletten nach flüssigen und festen Bestandteilen. Die ungereinigten Feststoffe werden in Gebinden gesammelt, welche mittels Helikopter auf dem Rückweg der Versorgungsflüge von der Hütte ins Tal der ARA Zermatt zur Reinigung zugeführt werden. Der Urin wird mit dem gereinigten Grauwasser zusammen gereinigt und unterhalb des Speichertanks der Umwelt zurückgegeben. 

Nützliche Links

Webseite Hörnlihütte: http://www.hoernlihuette.ch/home.html

Sendung  «Schweiz aktuell»

SRF Wissen: «48 Stunden Matterhorn»

Nehmen Sie an unserem Wettbewerb teil und gewinnen Sie attraktive Preise!

 
 
 
 
 
 
 
 

Keinen Newsletter mehr verpassen?

Sie möchten keinen Newsletter mehr verpassen?
Tragen Sie einfach hier Ihre Kontaktdaten ein und Sie erhalten unseren Newsletter kostenlos in Ihr digitales Postfach geliefert!

Kundendienst

Wir haben für Sie einen Notfalldienst eingerichtet – 24 Stunden und an 365 Tagen!

Notfallnummer: 027 922 77 22
Hauptnummer:  027 922 77 77

Partnerfirma der Inretis Holding AG